Man wird alt. Teile von mir beginnen, sich zu lösen und ein eigenes Leben zu führen, sich von mir zu entfernen und ihr Glück in fremden Städten zu suchen. Das ist traurig und das passiert. Vor allem dann, wenn man nicht darauf Acht gibt, den engen Kontakt zu halten, regelmäßig nach dem Stand zu schauen und ab und auch einmal herein zu schauen, ob noch alles beieinander ist.
Heute war so ein Tag, an dem einer der wichtigsten Begleiter in meinem Leben von mit gegangen ist. Ich war auf einer beruflichen Sondermission, die mich nur einmal im Jahr in Zusammenhänge bringt, die unüblicher kaum sein könnten und die meinen Beruf erst zu dem machen, was er ist. Von dieser Mission zu berichten, ist heute jedoch nicht das Thema.
Wir hatten einen Leihwagen gemietet, der zwar leicht auffindbar war, jedoch ganz und gar nicht einfach in Betrieb zu setzen war. Die Zeit wurde knapp, die Panik wurde groß und schon war es geschehen. Ich hatte ihm nicht die volle Aufmerksamkeit gegeben, anderes war in diesem Moment wichtiger und die Trennung war sehr viel schneller geschehen, als ich dies realisieren konnte. Viel, viel zu spät war mir klar, dass der Begleiter nicht wiederkommen würde, nur wegen eines kleines Moments in dem ich von meinem gewohnten Umgang mit ihm abgelassen hatte und ihn im Stich ließ. Er musste es wohl als furchtbaren Beweis für unsere Entfremdung gesehen haben und verließ umgehend die Szenerie. Es muss sehr schmerzlich für ihn gewesen sein und ich hatte es nicht einmal bemerkt.
An diesem Tag führte ich viele Gespräche, um den Begleiter zurück zu gewinnen oder wenigstens die Folgen der Trennung zu mindern. Ein gemeinsamer geplanter Urlaub stand auf dem Spiel, auch Anschaffungen, die wir zusammen planten, musste ich wohl bis auf Weiteres streichen. Der Verlust lag mir wie ein Klumpen in der Magengrube, meine Kollegen litten unter meiner Trennung, um mich herum war nur noch ein einziger Nebel. Ich war fertig.
Als ich den Verlust als gegeben hingenommen hatte, den mir vertrauten Menschen davon erzählt hatte und der Arbeitstag sich dem Ende entgegen neigte, bekam ich einen Anruf von einer mir unbekannten Nummer. Mir ernster Stimme fragte man nach meinem Namen, den ich vorsichtig bestätigte und stellte sich als behördlicher Vertreter einer norddeutschen Kleinstadt vor. Man habe meinen Begleiter gefunden, am Rande der Autobahn. Was nun zu tun sei?
Er befand sich mittlerweile in einer kleinen Stadt nördlich von Celle, in Unterlüß. 80 Kilometer von dem Ort entfernt, an dem wir uns zum letzten Mal gesehen hatten. Wie hatte er es nur geschafft, was wollte er in Unterlüß? Wie verzweifelt musste er gewesen sein, ein so weite Strecke in der kurzen Zeit zurück zu legen?
Man fragte mich, ob ich ihn abholen wollte, oder ob man ihn in sicherer Begleitung bringen solle. Ich entschied mich für zweites und war froh, mein geliebtes Portemonnaie schon bald wieder in die Arme schließen zu können und ganz eng an mich zu drücken. Nie wieder würde ich es so achtlos behandeln.
Jun 27






27. Juni 2008 um 00:42
Und jetzt noch mal auf Deutsch. Wo und wie genau hast du es verloren und warum ist es dann zurückgekommen?
27. Juni 2008 um 08:54
Ich habe es auf einen Leihwagen gelegt, den wir gestern am Hauptbahnhof in Hannover gemietet hatten und mit dem wir bis nach Laatzen gefahren sind (12 km). An mehr kann ich mich nicht erinnern das Portemonnaie war weg.
Später rief mich eine Mitarbeiterin der Stadt Unterlüß (80 km von Hannover entfern) an, und sagte mir, dass das Portemonnaie jemand neben der Auutobahn gefunden habe und bei ihr abgegeben habe.
Mehr weiß ich leider auch noch nicht.
27. Juni 2008 um 09:38
Du führst die Leser aber nett in den Wald.
27. Juni 2008 um 10:00
Wie bist du denn den Finderlohn losgeworden?
Mir ist das auch schon zweimal passiert: einmal war ich der Finder (Finderlohn = die gesamte Barschaft, da der Betr. heilfroh war, seine Plastikkarten wieder zu bekommen) - einmal der Verlierer (einen Karton mit Porzellantellern auf dem Autodach; ist erst nach ca. 10 km hörbar davongeflogen!)
27. Juni 2008 um 11:35
Na du hast ja ein Schwein! War denn noch alles drin?
Gruß von der Frau, die gern mal ihre EC-Karte im Automaten stecken lässt.
27. Juni 2008 um 11:52
Naja, einfach alles! Ausser Geld, das war gerade alle.
29. Juni 2008 um 13:35
[…] Aber das ist nur ein schwacher Trost. Nach Jahren des glücklichen Zusammenseins, hat auch mich ein Freund verlassen. Besucht mich nicht mehr. Redet nicht mehr mit mir. Und erzählt erst recht nicht weiter, was sich […]
29. Juni 2008 um 17:27
Übrigens stehe ich in deinen Links noch mit meiner alten Blogadresse. Bin doch zu Wordpress abgewandert.
29. Juni 2008 um 23:51
Korrigiert. Dachte das hätte ich schon mal gemacht?!